Rosa Winkel - Die Verfolgung Homosexueller im Nationalsozialismus
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Werner Bilz

Handlungsgehilfe

Fritz Werner Bilz wird am 26.4.1914 im sächsischen Limbach geboren. Nach einer Ausbildung zum Handlungsgehilfen zieht er 1931 nach Meuselwitz, wo er bei einem Herrenausstatter arbeitet.

1933 lernt Bilz im Mumsdorfer Freibad den Dachdecker Rudolf Brazda kennen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebesbeziehung. Von März 1934 bis zu Bilz' Einberufung zur Wehrmacht im Herbst 1936 wohnen sie gemeinsam zur Untermiete bei der Witwe Helene Mahrenholz. Deren Wohnung entwickelt sich schon bald zum Zentrum eines homosexuellen Freundeskreises.

Erstmals wird Bilz am 3.8.1935 bei einer Razzia in Meerane verhaftet. Anlass ist der Geburtstag von Bruno Debray, den dieser im „Kaffee Altmarkt“ feiert. Neben Bilz sind auch Reinhold Winter und einige der Meuselwitzer Freunde mit von der Partie. Alle freuen sich auf einen schönen Abend. Und tatsächlich wird wieder einmal ausgelassen gefeiert. Doch gegen neun Uhr abends tauchen plötzlich Beamte der Kriminalpolizei auf. Die Feier wird von der Kripo „ausgehoben“, wie es in einem späteren Bericht heißt.

Werner Bilz

Werner Bilz
Bildquelle: Nachlass Brazda

Zehn Personen, darunter auch der Gastgeber, werden „gestellt“. Sie werden „dort in der Wohnung vernommen und später wieder entlassen“. Einem Polizeibericht zufolge geben die Meuselwitzer Freunde dabei alle „ihre gleichgeschlechtliche Veranlagung“ zu. Die Meuselwitzer Polizei lädt Werner Bilz daraufhin zu einer Vernehmung, doch das Verfahren verläuft im Sande.

Nach der Verurteilung Brazdas im Mai 1937 ist beim Luftwaffengericht Weimar auch ein Verfahren gegen Bilz anhängig – der Ausgang ist unbekannt, eine Verurteilung von Bilz nach § 175 ist aber sehr wahrscheinlich. Weil Brazda nach Verbüßung seiner Strafe aus Deutschland ausgewiesen wird, sehen sich die beiden erst einige Jahre später wieder, nach der Okkupation des Sudetenlandes durch die Deutschen. Bei einer Feier in Bilz' Heimatort Limbach tanzen sie noch einmal zusammen. Doch am Rande der Tanzfläche sitzt Bilz' neuer Freund, der Brazda eifersüchtige Blicke zuwirft.

Bilz fällt wohl 1943 an der Ostfront, wahrscheinlich in Rumänien. Zum 31.12.1949 wird er für tot erklärt.

Literaturtipps:

Alexander Zinn: "Das Glück kam immer zu mir". Rudolf Brazda Das Überleben eines Homosexuellen im Dritten Reich. Frankfurt am Main 2011: Campus. Link zum Buchtipp

Alexander Zinn: »Aus dem Volkskörper entfernt«? Homosexuelle Männer im Nationalsozialismus.
Frankfurt am Main 2018: Campus. Link zum Buchtipp

© Alexander Zinn 2017