100 Jahre Holbein-Stiftung

Anlässlich des 100. Jahrestages der Gründung der Holbein-Stiftung fordern mehr als hundert Persönlichkeiten und Organisationen aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft die Rehabilitierung des thüringischen Juristen Dr. Hans Holbein (1864-1929), die Wiederherstellung seines Grabsteines auf dem Weimarer Friedhof und die Einrichtung eines Forschungszentrums zur Homosexualität an der Universität Jena. Die Initiative steht unter der Schirmherrschaft von Christine Lieberknecht, Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen a. D. Der Präsident der Universität hat die Idee eines Forschungsinstitutes in einer ersten Stellungnahme begrüßt. Auch aus der thüringischen Politik gibt es bereits Unterstützung (siehe Stellungnahmen).

 

IM WORTLAUT:

Kämpfer für Freiheit des Dritten Geschlechts

Aufruf zur Rehabilitierung von Dr. Hans Holbein
und zur Neugründung der Holbein-Stiftung


Der Jurist Dr. Hans Holbein setzte sich zeit seines Lebens für die Rechte Homosexueller ein. Als Anwalt verteidigte er zahlreiche schwule Männer und engagierte sich für "für die Bewegung gegen § 175". Vor 100 Jahren, am 24. August 1919, begründete er die "Holbein-Stiftung". Aus deren Vermögen sollte ein Lehrstuhl an der Universität Jena geschaffen werden, um insb. die Bi- und Homosexualität weiter zu erforschen. In seinem Testament setzte er die Universität als Alleinerbin ein und verfügte, der Stiftung weitere 100.000 Mark zufließen zu lassen.


mögliches Erscheinungsbild des
Grabsteins Holbeins auf dem Weimarer Friedhof
Fotomontage: A. Zinn


Doch die Uni Jena verweigerte nach Holbeins Tod im Jahr 1929 die Einrichtung des Lehrstuhls und schlug die Erbschaft aus, weil, so die Begründung, die Universität ansonsten "zu einem Sammelpunkt unerwünschter Elemente würde". Das hinderte sie freilich nicht, sich das verbliebene Stiftungsvermögen nach 1933 im Zusammenspiel mit den NS-Machthabern anzueignen.

Am 14. September 2019 jährt sich der Todestag von Hans Holbein zum 90. Mal. Wir meinen: Es ist an der Zeit, sich seiner zu erinnern und das an ihm begangene Unrecht wiedergutzumachen.

Die Unterzeichner dieses Aufrufs rufen deswegen das Land Thüringen, die Universität Jena und die Stadt Weimar auf, Dr. Hans Holbein zu rehabilitieren, das Vermögen der Holbein-Stiftung zu restituieren und es im Sinne des Stifters zu verwenden. Konkret fordern wir:

Die Wiederherstellung des geschändeten Grabmals von Dr. Hans Holbein auf dem Weimarer Friedhof mit der ursprünglichen Inschrift: "Hier ruht in Gott Dr. Hans Holbein, Anwalt des Rechts, Kämpfer für Freiheit des 3. Geschlechts".

Die Restitution des Stiftungsvermögens und die Neugründung der Holbein-Stiftung zum Beispiel als Landesstiftung.

Die Einrichtung eines Forschungszentrums zu Geschichte und Gegenwart der Homosexualitäten an der Universität Jena.

 

Erstunterzeichner des Aufrufes

 

Schirmherrin der Initiative

Christine Lieberknecht, Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen a. D.


Initiatoren des Aufrufes

Dr. phil. Alexander Zinn, Universität Dresden

Prof. Dr. jur. Rüdiger Lautmann, Universität Bremen

Ralf Dose, M.A., Magnus Hirschfeld Gesellschaft

© Alexander Zinn 2019